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((Überschrift)) 

Lara Croft kommt durchs DSL-Kabel
Dank schneller Datenleitungen wird immer mehr Software online vertrieben

((Vorlauf))

Die Chefs der weltgrößten Spielefirma Electronic Arts (EA) sind sich sicher: In wenigen Jahren werden digitale Inhalte vorwiegend online vertrieben. Schnelle DSL-Verbindungen und clevere Verkaufskonzepte gibt es bereits, jetzt wartet die Branche auf das iTunes für Computerspiele.

((Lauftext))

Hardcover und Taschenbücher kommen zum Beispiel von Amazon, Hörbücher von Vorleser.net, Musik von Apples iTunes und Musicload. Gleichzeitig bauen die britische BBC und der US-Sender ABC einen Online-Vertrieb für Filme und Fernsehserien auf.

Und wie sieht es aus mit Produkten, die seit jeher in digitaler Form vorliegen? Die werden im Einzelhandel oder beim Elektronikmarkt gekauft.

Dabei liegt es nahe, ein PC-Spiel wie den aktuellen Top-Titel „Tomb Raider: Legend“ mit Heldin Lara Croft oder das Rollenspiel „Oblivion“ über das Internet zu verkaufen, immerhin handelt es sich um digitale Codes, die ohne technische Umwandlung per DSL-Kabel übertragen werden können.

Bücher hingegen müssen erst ins PDF-Format umgewandelt werden, Musikstücke werden zu MP3-Dateien verdichtet. Als Ergänzung zu den Spielen erhält der Kunde im Laden bloß noch eine Plastikhülle für die CD und ein mehr oder minder aussagekräftiges Handbüchlein.

EA-Chef Larry Probst erklärte bereits vor zwei Jahren im Gespräch mit der Financial Times Deutschland: „Online-Spiele sind der einzige Weg für uns, in China Geschäfte zu tätigen, die enorme Raubkopierrate verhindert jeden herkömmlichen Vertriebsweg.“

Im April 2006 prognostizierte das amerikanische Marktforschungsinstitut IDC, dass in den USA im Jahre 2006 rund 500 Millionen US-Dollar verdient werden mit dem Vertrieb von Spielen über das Internet. Im nächsten Jahr soll der Umsatz hier auf über 750 Millionen US-Dollar steigen.

Der europäische EA-Chef Dr. Jörg-Uwe Intat bestätigt diesen Trend aus den USA: „Bald werden Audio-CDs, Film-DVDs und verpackte Spiele so antiquiert sein wie Kassetten und Vinylplatten“, sagte er in einem Gespräch mit dem Branchendienst Gamesindustry.

Dabei setzt er sich für einen firmenübergreifenden Vertrieb ein, damit nicht ein Anbieter den Markt bestimmt, wie Apple mit seinem iTunes Music Store im Geschäft mit Musik-Downloads.

Die T-Online-Tochter Gamesload (www.gamesload.de) engagiert sich seit August 2005 als erstes großes deutsches Unternehmen im Online-Vertrieb von PC-Spielen und verkauft aktuelle Titel als Download von ihrer Website.

Wer eine fixe Sechs-Megabit-DSL-Leitung besitzt, lädt das komplette neue „Tomb Raider“-Spiel in zweieinhalb Stunden auf seine Festplatte und spart gegenüber dem Kauf im Laden rund sechs Euro. Das Handbuch gibt es als PDF, und wenn der Lara-Freund das Spiel auf DVD brennen möchte, reicht dazu ein 50-Cent-Rohling.

Weiterhin lassen sich zu einem günstigeren Tarif Spiele via Streaming-Technik in den Arbeitsspeicher des Computers übertragen und online spielen. Hier zeigen sich die Vorteile des neuen Vertriebswegs für die Kunden. Renate Grof, Managerin der T-Online Töchter Gamesload und OnGames, verweist auf die Testmöglichkeit vor dem Kauf: „Das ist ein Vorteil, den Sie kaum woanders erleben werden.“

Laut Grof gibt es täglich mehrere tausend Downloads, die Test-Downloads eingerechnet. Sie ist zuversichtlich, dass ihr Vertriebsmodell Erfolg haben wird: „An der Zahl der Titel, die wir zeitgleich zum Handel bei Gamesload anbieten, spiegelt sich das große Interesse der Publisher an einer Zusammenarbeit mit uns. In der nächsten Zeit werden wir unser Angebot weiter ausbauen und neue Spiele und neue Publisher aufnehmen.“

„Games-on-demand“, also Spiele auf Abruf, ist ein Zukunftmarkt, derzeit kommen als Nutzer jedoch ausschließlich DSL-Tempo-Ritter in Frage.

Wer bloß eine 768-Kilobit-DSL-Leitung ohne Volumenbeschränkung besitzt, muss einen ganzen Tag lang warten, bis er mit Lara Croft durch den südamerikanischen Dschungel turnen kann: Beinahe fünf Gigabyte Daten werden hier übertragen, dagegen wirken die 950 Megabyte des Strategie-Hits „Siedler 5“ geradezu bescheiden.

Seit kurzem ist in Deutschland das französische Unternehmen Metaboli aktiv, das ein ähnliches Modell anbietet wie Gamesload. Über die Adresse www.metaboli.de können Kunden für monatlich 19,90 Euro Zugriff auf ein Paket aus 71 aktuellen PC-Titeln erwerben. Diese lassen sich via Streaming-Technik online spielen und, wie bei Gamesload, auf Wunsch vollständig herunterladen und behalten.

Metaboli kooperiert mit großen Spielefirmen wie Ubisoft, Microsoft und Eidos. Deren Marketing-Manager Lars Winkler freut sich über die Zusammenarbeit: „Online-Distribution ist einer der größten Wachstumsmärkte innerhalb der Spielebranche.“

Der Optimismus der Branche führt gar zu hochfliegenden Plänen. Renate Grof orakelt etwa: „Mittelfristig wird die Verfügbarkeit von Gamesload auf anderen Endgeräten, zum Beispiel dem Fernseher, sicherlich ein Thema für uns werden.“

Hier müsste T-Online schnell reagieren, denn der US-Sender ABC bietet Serien wie „Desperate Housewives“ bereits als Internet-Stream an, und die BBC arbeitet seit einiger Zeit an ihrem Online-Angebot von Dokumentationen und Filmen.

Möglicherweise werden deutsche TV-Anbieter ihre Inhalte lieber selbst online vertreiben. Bei den Übertragungsrechten für die Fußball-WM war T-Online erfolgreich: Der Konzern darf Spiele live auf die Handys der eigenen Kunden übertragen und so die Akzeptanz von Handy-TV testen.

Peter Kusenberg / DigiText

 


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Letzte Aktualisierung: 12.12.2006