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((Überschrift))
Viele
Funktionen, viele Fehler
Discount-Märkte kämpfen mit
Sonderangeboten um die Schnäppchenjäger
((Vorlauf))
Ein Notebook mit 17-Zoll-Monitor,
Fernbedienung, Fingerabdrucksensor und
Digital-TV-Empfänger – für 1299 Euro! Horst
Androsch studiert den aktuellen Werbe-Flyer an der
Scheibe des Aldi-Marktes.
((Lauftext))
In dem Laden hat er schon einen Navigations-PDA,
eine Digitalkamera und einen Tintenstrahldrucker
gekauft. Jetzt reizt ihn das Notebook: „Da ist
alles drin. Besonders den Fingersensor finde ich
interessant: Da kann dann keiner an meine Daten
ran.“ Auf Nachfrage gesteht der Frührentner:
„So viel bin ich gar nicht unterwegs, und zu
Hause ist nur meine Frau, vor der habe ich nichts
zu verbergen.“
Dennoch schaut er begierig auf das Bild des
silbergrauen Geräts, das beworben wird mit
detaillierter Auflistung Dutzender Funktionen, dem
Intel-Centrino-Logo und dem Spruch: „Qualität
ganz oben – Preis ganz unten.“ Möglicherweise
sind die 1299 Euro für das Aldi-Notebook MD 97000
tatsächlich knapp kalkuliert. Allerdings stellt
sich die Frage, wer die vielen Funktionen dieses
zudem wenig tragefreundlichen Notebooks benötigt
und ob die Qualität der Komponenten tatsächlich
„ganz oben“ zu verorten ist.
Angaben zum Hersteller der Festplatte und des
DVD-Laufwerks werden jedenfalls nicht gemacht. Die
Prospekte suggerieren ein Top-Angebot,
verschweigen bewusst die Schwächen des jeweiligen
Produkts, etwa eine geringe Anzahl an USB-Anschlüssen
oder einen Grafikchip, der auf den Hauptspeicher
des Computer zugreift. Aldi ist bekannt für seine
riesigen Software-Pakete: 20 Titel werden
aufgelistet, darunter „Microsoft Office
Trial“. Dahinter verbirgt sich eine
Probierversion des relativ teuren Office-Pakets
von Microsoft, die sich leicht aus dem Internet
laden lässt.
Funktionsfülle bedeutet oft Fehlerfülle, auch
bei Druckern. Wer ein Kombigerät mit Fax-,
Druck-, Scan- und Kopierfunktion kauft, muss
erstens mit früh auftretenden Defekten rechnen;
zweitens kann er in diesem Fall keine der vier
Funktionen nutzen, solange sich das Gerät in der
Reparatur befindet.
Noch stärker als Aldi setzt die Metro AG auf
die Sparsamkeit der Kunden. Der Konzern gab laut
Marktforschungsfirma Nielsen Media Research im
Jahre 2004 rund 350 Millionen Euro aus, um die
Produkte der Metro-Töchter Saturn und Media Markt
zu bewerben.
Im Jahre 2005 soll dieser Betrag um rund zehn
Prozent übertroffen worden sein. Bernhard
Taubenberger, Sprecher der Media-Saturn-Holding
GmbH in Ingolstadt, antwortet auf die Frage, ob
die Werbekampagnen seines Unternehmens nicht irreführend
seien: „Unsere Claims ‘Ich bin doch nicht blöd!’
(Media Markt) und ‘Geiz ist geil!’ (Saturn)
fordern den Kunden dazu auf, zu vergleichen und
dort zu kaufen, wo er die gewünschte Markenqualität
günstig erhält.“
Doch gerade die vermeintliche Preisgünstigkeit
wird zunehmend in Frage gestellt, etwa von
Marktforschungsinstituten und der Fachzeitschrift
„Chip“. Die Zeitschrift Chip zitiert die
Wirtschaftsexperten der Mercer Management
Consulting: „Die im Regal angebotenen Produkte
sind im Schnitt tatsächlich teurer, als es die
Werbung suggeriert.“
Media Markt, Aldi, Plus, Saturn und andere
bieten Notebooks an, die in dieser Konfiguration
in keinem anderen Laden zu finden sind. So ist ein
direkter Preisvergleich schwer möglich. Das
Kleingedruckte in den Angebotstexten ist nicht
umsonst klein gedruckt. So kann es sein, dass es
sich bei den beiliegenden Programmen nicht um
Vollversionen handelt, sondern nur um
Testversionen. Das Virenschutzprogramm, das zum
Beispiel auf einem vom Plus-Markt vertriebenen
Rechner installiert ist, funktioniert nur wenige
Wochen.
Danach wird der Nutzer auf die Internetseite
des Herstellers geleitet, um die Schutzfunktion zu
verlängern – natürlich kostenpflichtig.
Die Werbefilme mit Pro-Sieben-Moderator Oliver
Pocher vermeiden jegliche Aussage über Qualität
und Nutzen eines Produkts, sondern setzen auf spaßige
Mätzchen. Online-Anbieter wie Cyberport und
Alternate beschreiben dagegen ihre Produkte genau
und verzichten auf sinnfreie Wörter wie „flüsterleise“,
„Mega-Leistung“ und „High-end“.
„Hervorragend langer Akkubetrieb“
verspricht der Aldi-Prospekt. Horst Androsch
blickt inzwischen skeptisch: „Mein altes
Notebook hält keine drei Stunden ohne Neu-Laden
durch, und das hat nur einen halb so großen
Bildschirm“, sagt er. Und: „1300 Euro sind ja
eigentlich eine ziemliche Stange Geld.“
Und schließlich sollte man auch auf Zweckmäßigkeit
achten: Wer ein Schreib- und Internet-Notebook für
die Reise sucht, sollte nicht zu einem
Multimedia-Monster mit 17-Zoll-Monitor (das sind.
43 Zentimeter Bilddiagonale) greifen: Solch ein Fünf-Kilo-Klotz
ist nun mal kein angenehmer Reisebegleiter.
Peter Kusenberg / DigiText
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